17 September 1524 – Hinrichtung auf der Gänsweyd

Protestantenverfolgung in Wien

Rundplan von Wien, gennant der "Meldeman-Plan" um 1529
Rundplan von Wien, gennant der „Meldeman-Plan“ um 1529

An seinem Todestag schleift man den Wiener Hausherrn Kaspar Tauber, einen Unverbesserlichen wie die Akte uns erzählt, von dem Platz vor der Stephanskirche an ein Pferd gebunden auf die Gänseweid, weil er nicht abschwören wollte von seiner Lutherei.

Als man ihm die Möglichkeit bot, von seiner Ketzerei öffentlich abzuschwören, schrie er seine Überzeugung nochmals laut in die Welt hinaus, worauf man ihm flux die Zunge abschnitt. Er wurde verbrannt, in einem weißen Armensünderhemd, unter dem Beifall der Wienerstadt.

Caspar Tauber – Wikipedia
Caspar Tauber († 17. September 1524 in Erdberg bei Wien) war ein evangelischer Märtyrer.

Tauber stammte vielleicht aus dem südmährischen Brünn. Seit 1508 lebte er als Tuchhändler in Wiener Neustadt, seit 1511 in Wien. Er verfügte bald über einen beträchtlichen Wohlstand, so dass er 1519 als „Tuchlaubenherr“ erscheint und 1521 zu den „Genannten“ gehört, die Aufgaben der Stadtregierung inne hatten.

Nachdem er mit evangelischem Gedankengut in Berührung gekommen und davon überzeugt worden war, verfasste Tauber eine reformatorische Flugschrift. Darin führte er Kritik an der Ohrenbeichte, der Heiligenfürbitte und der Lehre vom Fegefeuer aus. Umstritten ist die Herkunft von Taubers Stellung zum Abendmahl, das er konsequent symbolisch deutet. Am wahrscheinlichsten erscheint die Annahme, dass er Kenntnis vom Wirken und der Theologie Ulrich Zwinglis, der gleichfalls eine konsequent symbolische Deutung vertrat, erlangt hatte. Möglich ist auch, dass er Elemente der Theologie der Waldenser mit den Auffassungen Luthers verband.

1524 wurde Tauber schließlich verhaftet und im Kärtnerturm in Wien fest gehalten. Er widerrief schließlich seine bisherigen Überzeugungen. Als Zeichen der Buße sollte er an drei Sonntagen im Büßerkleid – barfüßig, barhäuptig, Kerze in der Hand und ein Strick um den Hals – an der Pforte des Stephansdoms stehen und öffentlich widerrufen; zudem sollte er lebenslang ein schwarzes Kreuz als Zeichen seiner Ketzerei auf der Kleidung tragen. Für den 8. September 1524 war vereinbart worden, dass er öffentlich widerrufen sollte. Doch an jenem Tag verweigerte er dies; stattdessen berief er sich auf die Bibel und appellierte an das Reich. Am 17. September 1524 wurde er schließlich morgens früh zur Richtstätte in Erdberg geführt und enthauptet. Sein Leichnam wurde – wie bei vermeintlichen Ketzern üblich – verbrannt; seine Asche verstreute man in der Donau. Tauber war der erste von insgesamt zwei namentlich bekannten Märtyrern der Reformation in den habsburgischen Erbländern (der zweite war Martin Hofmann, der 1549 in Kärnten hingerichtet wurde); Taubers Mut beeindruckte Luther sehr.

Im Jahr 1894 wurde in Wien Hernals (17. Bezirk) die Taubergasse nach ihm benannt.

Die Hinrichtungsstätte „Gänsweyd“ lag in unserem Bezirk, in etwa dort, wo heute die Kegelgasse in die Weißgerberlände mündet.

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