Bäckergeselle Johann Hayn – Hinrichtung auf der Gänsweyd

Skandal während der Frohnleichnahmsprozession

bäckerDer Bäckergeselle Johann Hayn schlug während einer Frohnleichnahms Prozession einem Priester die Monstranz aus der Hand.

Zusätzlich beschimpfte er den verdutzten Geistlichen als Belialspfaffen. Er wurde zum Tode verurteilt – Johann Hayns Ende war der Scheiterhaufen auf der „Gänsweyd“, aber erst nachdem man ihm die Zunge herausgerissen und ihn nach allen Regeln der Kunst geschunden (gefoltert) hatte.

Wir fanden auch folgenden Bericht: „ein protestantischer Bäckerjunge, Namens Johann Hayn, aus Frankenland gebürtig, ging im Jahre 1549 im religiösen Wahnsinn so weit, daß er, als am Frohnleichnamstage das hochwürdigste Gut von St. Stephan aus in feierlichster Prozession über den Platz getragen wurde, dem Priester die Monstranz aus der Hand riß, zur Erde warf und das Heiligthum zertrümmerte.“

Der Gotteslästerer wurde sogleich ergriffen und zum Tode verurtheilt. Man schnitt ihm die Zunge aus, welche entehrende Flüche geschrieen, hieb ihm die Hand ab, die den Frevel begangen, schleifte ihn dann zur Richtstatt auf die Gänseweide in der Vorstadt Erdberg und verbrannte ihn dort lebendig.

Er wurde also vom Wiener Volk gelyncht.

Die Hinrichtungsstätte „Gänsweyd“ lag in unserem Bezirk, in etwa dort, wo heute die Kegelgasse in die Weißgerberlände mündet. Damals wurde das Gebiet als „unter den Weißgerbern“ bezeichnet. Die Weißgerber hatten in der näher zur Stadt ihre Gerbereien, denn innerhalb der Stadtmauern durften sie ihr Gewerbe nicht ausführen.

Aufgehoben wird die Todesstrafe erst unter Kaiser Josef II und erst danach kam die Gänseweid langsam aus der Mode. Doch bis dahin war es noch ein weiter weg. Unzählige Protokolle füllen im Laufe der Jahrhunderte die Archive, es wurde verbrannt, geköpft, erstochen, erschossen, verstümmelt und geschändet bis die Zeit endlich reif scheint für eine humanere Gesellschafts- und Rechtsform.

Die Gänseweid findet Ihr heute nicht mehr – wo einst hunderte Menschen für tatsächliche oder erdachte/erfolterte Verbrechen ihr Leben lassen mussten, stehen heute Zinskasernen, führen Strassen und Gassen den Donaukanal entlang – wo genau der Ort sich befand konnten wir von ki3.at noch nicht herausfinden. Kein Plan dieser Zeit ist genau genug, aber wir können es auf das Gebiet zwischen Hetzgasse und Kegelgasse eingrenzen.

Wohl niemand kann heute noch erahnen, welch grausige Dinge sich abgespielt haben müssen

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