Geschichten rund um die Knappengasse im Dritten

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Von August Staud – die ehemalige Knappengasse in Richtung Kardinal-Nagl-Platz. Das im Hintergrund ersichliche Haus steht heute noch.

Die Knappengasse ist ein längst verschwundenes Gässchen in Erdberg. Wir haben für Euch in der Nationalbibliothek und im WWW nach Geschichten und Bildern über soziales Elend, Raubersgschichten und Grundstücks-Spekulanten aus längst vergangener Zeit gesucht.

Im „Teplitz-Schönauer Anzeiger“ aus dem Jahr 1864 fanden wir einen recht skurrilen Artikel.

Wer den Schaden hat, hat auch den Spott.

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Ein Bild von A. Blamauer. Die Knappengasse Nr. 5 bis 11 mit Feldern im Vordergrund

Am 10 April 1864 lag im Garten Erdberger Gärtners in der Knappengasse den im Garten fußhoch liegenden Schnee. Die Knechte des Gärtners versuchten die Wege zu den Mistbeeten frei zu schaufeln und warfen den Schnee in einen Brunnen. Der Brunnen war rasch gefüllt, doch noch immer lag genug Schnee herum. Da kam einer Knechte auf den originellen Einfall, den Schnee im Brunnen fest zu treten um Platz zu schaffen. 

Gesagt, getan und schon verschwand der Knecht vor den Augen seiner Kollegen und versank in dem mehrere Klafter tiefen Brunnen. bereits angefüllt und noch eine Menge Schnee nicht untergebracht war, kam einer der Knechte auf den, denselben in dem Brunnen festtreten zu wollen.  Der Schrecken der Umstehenden war dementsprechend groß, als der Knecht plötzlich verschwand und in der kalten Umgebung von unten laut um Hilfe zu schreien begann.  Nur Mühe gelang es den restlichen Knechten, mit einem Strickes den in Lebensgefahr Schwebenden aus dem kalten Bereiche zu ziehen und vor dem Erfrierungstod zu retten.

An Spott und Gelächter fehlte es natürlich trotzdem nicht.

Übrigens: Klafter ist ein historisches Längen-, Raum- und Flächenmaß. In Österreich entsprach dies einer Länge von etwa 1,90 Meter.

In der Zeitung „Das Vaterland“ vom 30. April 1888 fanden wir eine Story über einen jugendlichen Einbrecher.

Einen frechen Einbruch hat Samstag Vormittags der fünfzehnjährige Anton Knotek, Sohn eines Taglöhners, begangen. Der Jugendliche war allein in der elterlichen Wohnung, Landstraße, Knappengasse Nr. 11 und brach mit einem unbekannten Werkzeug ein Loch in die Wand zur benachbarten Wohnung der Gemüsehändlerin Rosalia Huber, die sich zu dieser Zeit auf dem Markte befand.

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Quelle Google-Books. Die Knappengasse führte früher zum Thomasplatz, dem heutige Kardinal-Nagl-Platz.

Anton Knotek, der schon vor 2 Jahren, als Dreizehnjähriger wegen eines ähnlichen Diebstahles mit zwei Monaten Arrest bestraft wurde, sprengte eine Geldkassette auf, stahl daraus einen Geldbetrag von 53 fl. und flüchtete. .

Übrigens, der Betrag von 53 fl., also Gulden, würden heute in etwa 300 Euro entsprechen.

 

Auch in der Arbeiter Zeitung 30. Juni 1925 auf Seite 4 fanden wir einen hinweis auf die Knappengasse in einem längeren Artikel zum Thema „Mieterechtgesetznovelle und Enteignung“

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Durchblick auf den Turm der Herz-Jesu-Kirche auf der Landstraßer Hauptstraße. Datierung: 1916

Die Gemeinde Wien wollte 1925 einige Stadtteile, in denen die Wohnungsverhältnisse ganz besonders schlecht waren assanieren. Es handelte sich dabei um die Gegenden Lichtental und Erdberg, um dort die alten kleinen Häuser mit ihren elenden, ungesunden Wohnungen niederreißen zu können, um zum Beispiel den Rabenhof bauen zu können.

Damals konnte sich damals ein Hausbesitzer, der ein Haus mitten in dem zu assanierenden Stadtteil besitzt, weigern den Grund zu verkaufen. Teils weil er sich eigensinnig weigert, teils auch um einen maßlos hohen Preis zu erlangen. Und so wurde von der Gemeinde Wien gegen den Wunsch der Christlichsozialen das Enteignungsgesetz geschaffen.

Getroffen hat es in diesem Fall einen Hausbesitzers in der Knappengasse, der die Assanierung in Erdberg zu einem gar zu guten Geschäft auf Kosten der Gemeinde missbrauchen wollte – er wurde zugunsten der Gemeinde enteignet.

Bilder von A. Blamauer

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Waschtag in der Knappengasse 13
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Knappengasse Nr. 15
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Innenhof der Knappengasse Nr. 1
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Knappengasse mit Blick in Richtung der alten Hainburgerstraße.
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Knappengasse Nr. 15 und 17

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