Etablissement Dreher

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstand auf der Landstraße (Landstraßer Hauptstraße 97) ein Etablissement, das bald für alle anderen derartigen Unternehmungen zu einer äußerst großen Konkurrenz wurde: Drehers Etablissement auf der Landstraßer Hauptstraße 97. An Stelle von zwei kleinen Gasthäusern (eines von ihnen führte den Namen „Zur grünen Weintraube“), die der Brauereibesitzer Anton Dreher sen. gekauft hatte, ließ er ein großes Haus erbauen, das am 25. Dezember 1859 mit vornehm ausgestattetem Gasthauslokal und großem Gasthausgarten eröffnet wurde. Bevor der Besitz an Dreher kam, waren meist kleine Wirte die Inhaber der bis dahin eher bescheidenen Lokalität gewesen. 1858 kam mit Anton Dreher sen. der Umschwung. Er war der Sohn jenes aus Schwaben gebürtigen Franz Anton Dreher gewesen, der 1760 in Wien als Bierkellner seine Laufbahn begann, dann Brauhäuser in Ober-Lanzendorf und in der Leopoldstadt pachtete und 1796 das Klein-Schwechater Brauhaus kaufte. Anton Dreher d. J. (1849-1921) verfolgte konsequent den Weg, den der Vater eingeschlagen hatte. Er reiste nach England, um sich in englischen Brauereien über die dortige Bierherstellung zu informieren. Nach seiner Rückkehr braute er das erste Lagerbier in Österreich. Bald war er in der Lage, die übrigen Schwechater Brauereien aufzukaufen.

Die Bierhalle auf der Landstraße konnte binnen kurzem der bis dahin führenden „Goldenen Birne“ den Rang streitig machen. Bald nach der Eröffnung (1859) spielten hier die Kapellen Fahrbach und Drahanek, die Hoch- und Deutschmeister, auch Eduard Strauß war mit seinem Orchester hier zu hören. Besonders beliebt waren auch die Masken- und Bauernbälle bei Dreher. Außer verschiedenen Regimentskapellen musizierten bei derartigen Anlässen auch verschiedene Quartette. Neben Konzerten wurden Volkssängerveranstaltungen unter großem Zuspruch des Publikums hier abgehalten. Der berühmte Volkssänger Edmund Guschelbauer trat in der Zeit von 1869 bis 1899 insgesamt 74mal bei Dreher auf. Auch sogenannte „Humoristische Vergnügungsabende“ waren sehr beliebt. Eine Veranstaltung, jährlich wiederkehrend, war besonders populär, wenn auch nicht gerade beliebt: die Rekrutierung, die hier unter großem Wirbel und Alkoholkonsum vonstatten ging.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gaststättenbetrieb im Haus Landstraßer Hauptstraße 97 einer durchgreifenden Erneuerung unterzogen und von da an unter dem Namen „Schwechaterhof“ weitergeführt.

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Bücher über unseren Bezirk

Landstraße – Geschichten und Anekdoten

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