Pfarrkirche St. Othmar unter den Weißgerbern

Auf dem heutigen Kolonitzplatz steht die St. Othmarkirche, auch „Weißgerberkirche“ genannt. Das Gotteshaus wurde zu Ehren des heiligen Othmar, des Namenspatrons Kardinal Othmars von Rauscher, geweiht. Die Benennung der Kirche erfolgte zum Dank für die Bauspende des ehemaligen Wiener Kardinals in der Höhe von 60 000 Gulden. Die heutige Kirche wurde in der Zeit von 1866 bis 1873 nach Plänen von Friedrich Schmidt erbaut. Mit 1. Jänner 1874 wurde sie Pfarrkirche.

Diese Weißgerberkirche war eigentlich schon die dritte Kirche „unter den Weißgerbern“. Die Vorstadt „Alttunaw“ (jahrhundertelang floss die Donau genau durch den Grund der später als „Unter den Weißgerbern“ benannten Siedlung) war lange Zeit nach Simmering eingepfarrt. Erst 1646 wurde die Landstraße mit Weißgerber und Erdberg von der Pfarre Simmering abgetrennt und St. Stephan angeschlossen. Die Entfernung von St. Stephan wurde schon immer als hinderlich empfunden, auch im Hinblick auf die vielen Überschwemmungen, durch die man immer wieder von der Umwelt abgeschnitten war. Der langgehegte Wunsch der Weißgerber Bevölkerung nach einer eigenen Kirche sollte erst 1673 in Erfüllung gehen. Dieser erste Kirchenbau ging auf die Stiftung des Fleischerehepaars Urban und Sabine Königs zurück. Sie stifteten eine Kirche bzw. Kapelle, die der Hl. Dreifaltigkeit geweiht werden sollte, nach der Fertigstellung jedoch „Margaretenkirchlein“ genannt wurde. Dies deshalb, weil Kaiserin Margarete, die Frau Leopolds I., zu diesem Bau mit einer Spende von 1 000 Gulden mitgeholfen hatte. Schon zehn Jahre später wurde das erste Kirchlein im Zuge der Türkenbelagerung 1683 niedergebrannt. 1690 entschloß man sich, eine zweite Kirche zu bauen. Es fanden sich verschiedene Wohltäter, die mit Spenden tatkräftig dieses Vorhaben unterstützten. Auch Kaiser Leopold spendete 1 000 Gulden. Die zweite Kirche wurde in Erinnerung an die inzwischen verstorbene Gattin des Kaisers wiederum „Margaretenkirche“ genannt; geweiht wurde sie der Heiligen Margareta von Antiochien. Das Kirchlein bestand genau 183 Jahre, es befand sich an der Ecke der heutigen Radetzkystraße zur Löwengasse (Radetzkyplatz) und wurde erst nach der Erbauung der neuen Othmarkirche 1875 abgerissen. Die relativ kleine Margaretenkirche (sie faßte nur etwa 300 Personen) hatte der neuen Zeit nicht mehr entsprochen. Man baute auf Intervention des Weihbischofs von Wien, Johann Kutschka, das neue Gotteshaus auf einem Teil des 1860 von der Gemeinde aufgekauften ehemaligen sog. Bechardischen Grundes.

Die neue Othmarkirche ist ein neugotischer gewaltiger Rohziegelbau. Das kreuzförmige basilikale Innere der Kirche ist von vornehmer Wirkung. Etliche Künstler beteiligten sich an der Innengestaltung der Kirche. So unter anderem Rudolf Holzinger (Kreuzwegbilder, Hintergrundmalereien des Herz-Jesu-Altars), Edwin Grienauer (Skulptur der hl. Margareta) und Johann Melnitzky (Statuen der vier Evangelisten). In den Jahren 1939-1944 renovierte man die Kirche. Noch vor Ende der Renovierungsarbeiten wurde die Kirche allerdings durch eine Bombe im November 1944 stark beschädigt. Durch Regen und Nässe wurden Teile der Wandmalereien zerstört. Die ebenfalls beschädigten Kirchenfenster verglaste man mit Kathedralglas. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der mit Halbmond und Stern gezierte Turm (auf die Zerstörung der ersten Kirche durch die Türken hinweisend!) mit 80 m der dritthöchste Kirchturm Wiens ist. Neben diesen heutigen Pfarrkirchen finden wir auf der Landstraße noch eine Reihe anderer interessanter Kirchen, teils Ordenskirchen, auf die in der Folge noch kurz eingegangen werden soll. Da ist zunächst Kirche und Kloster der Elisabethinen auf der Landstraße. Die Nonnen dieses Krankenpflegeordens, dessen Vorbild die hl. Elisabeth von Thüringen war, kamen 1709 aus Graz nach Wien. Dem Kloster ist das St. Elisabeth-Spital angegliedert. Die seit dem beginnenden 18. Jh. tätige Anstalt trägt auch in der Gegenwart zur spitalsmäßigen Versorgung der Bevölkerung bei. Die Kirche der Elisabethinen wurde 1709 bis 1711 von Mathias Gerl d. Ä. erbaut, 1743 nahm Franz Anton Pilgram Umgestaltungen und Erweiterungen vor. Das Äußere ist charakterisiert durch Verschmelzung von Kirche und Klostergebäude. Im Inneren finden wir rokokofernes Barock vor. Das prächtige Altarbild ist ein Werk Johann Cimbal d. Ä. und zeigt die Aufnahme der hl. Elisabeth in den Himmel. Einen besonderen Schatz verwahrt das Kloster mit dem Haupt der hl. Elisabeth, das in der Oktav des Festes (19. November) alljährlich auf dem Seitenaltar zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wird. Elisabeth, Tochter des Arpaden Andreas I. von Ungarn, starb 1231 in Marburg. Über viele Stationen kam die Reliquie nach Wien und wurde Ende des 18. Jh.s den Elisabethinen übergeben.

Jüngeren Datums ist die „Ordenskirche zum heiligsten Herzen Jesu“ (Landstraßer Hauptstraße – Ecke Keinergasse). Diese in den Jahren 1903-1906 im rheinisch-romanischen Stil errichtete Kirche ist ein Werk des Architekten Gustav Neumann. Sie ist als Ziegelrohbau mit Kunststeinen verkleidet, mit ihrem Turm beherrscht sie die Silhouette dieses Stadtteils. Die Kirche ist Sitz der Gemeinschaft „Dienerinnen des heiligsten Herzens Jesu“, der Stifter dieser Kongregation war der Elsässer Viktor Braun. Die als ausgezeichnete Krankenschwestern gerühmten Mitglieder der Gemeinschaft waren von Anbeginn an in vielen Spitälern des In- und Auslandes tätig. Das Gotteshaus, in dem der ehemalige Erzbischof Kardinal Innitzer jahrelang die Messe zelebrierte, ebenso wie der seinerzeitige österreichische Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel, besitzt eine bemerkenswerte Kanzel mit fünf Mosaikbildern. Das dreischiffige Innere gewinnt durch seine Wandmalereien einen besonders weihevollen Rahmen.

Bei vielen Sakralbauten richtete der Krieg große Schäden an, so auch an der „Kirche zum Allerheiligsten Erlöser“ (Rennweg 63). Dieses Kirchlein gehörte ursprünglich dem beschaulichen Orden der Redemptoristinnen, seit 1922 wirkt hier die „Kongregation der Tröster von Gethsemani“, die sich die Tschechen-Seelsorge im Ausland zur Aufgabe gemacht hat. Die Kirche wurde 1834-1836 nach Plänen von Karl Rösner erbaut.

Eine Ordenskirche ist auch die Kirche „Sacre Cceur“ am Rennweg 31. Diese im neuromanisch-gotischen Stil nach Plänen von Zehetgruber errichtete Kirche wurde 1877 fertiggestellt. Kirche und Kloster sind Sitz der „Gesellschaft der Ordensfrauen vom Heiligsten Herzen“ („Dames du Sacre Coeur“), deren Wappen und Wahlspruch die Kirchenpforte zieren. Die Stifterin dieser Vereinigung war Magdalena Sophia Barat, der geistige Vater des Ordens jedoch Pater Franz de Tournely, dessen sterbliche Überreste in einer Seitenkapelle der Kirche ruhen. Die Schäden des Krieges konnten auch hier beseitigt werden. Das Rennweger Ordenshaus (der Bau fällt durch die eigenartig bekrönten Mansardenfenster auf) unterhält ein MädchenGymnasium, eine Volksschule und einen Kindergarten.

Abschließend sei auf noch zwei weitere Ordenskirchen hingewiesen, von denen die eine als die prächtigste Kirche des dritten Bezirks und eine der schönsten Kirchen Wiens überhaupt gilt – die Kirche des Ordens der Heimsuchung Mariä, im Volksmund kurz Salesianerkirche genannt. Sowohl Kirche als auch Kloster verdanken ihre Entstehung der Kaiserin Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Lüneburg, der Witwe Josephs I. Sie holte den Orden der Salesianerinnen aus Brüssel nach Wien. Kirche und Kloster entstanden in den Jahren 1717 bis 1730, Erbauer war Felice Donato Allio. Durch zwei prachtvolle Gittertore gelangt man zunächst in den Vorgarten der Bauanlage, deren Kuppel die Gegend weithin beherrscht. Besonders geglückt ist die Verschmelzung von Kirchen- und Klosterfassade, die durch das durchlaufende Hauptgesims im ersten Stock erreicht wird. Vom Kircheninneren seien das herrliche Deckenfresko „Mariä Himmelfahrt“ von Antonio Pellegrini sowie das Bild des Hochaltares „Mariä Heimsuchung“ von Antonio Bellucci erwähnt. Die Seitenaltäre sind geschmückt mit Bildern von Pellegrini und Jakob von Schuppen.

Ein Kunstwerk des Rokoko stellt die „Kirche zum hl. Kreuz der Kongregation der Resurrektionisten“ (Polnische Kirche) dar, in der Bevölkerung als „Gardekirche“ bekannt. Das Gotteshaus wurde auf Anordnung Maria Theresias 1755-1763 von Nikolaus Pacassi errichtet, und zwar als Garde-Hospital-Kirche. Es ist ein schlichter quadratischer Bau mit rotem Ziegeldach und grüner Kuppel. Reiche Stukkos im Inneren geben dem Raum ein vornehmes Gepräge. Die Wand hinter dem Hochaltar ziert Peter von Strudels Gemälde „Christus am Kreuz“, unterhalb des St. Josefs-Altarbildes finden wir eine Kopie der Muttergottes von Czenstochau. Dies deshalb, weil die Kirche seit 1897 polnische Nationalkirche in Wien ist.

 

 

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