Thomas Klestil

Vom Straßenbahnerbuam zum BundespräsidentenIm Standard erzählten einige “Promis”, wie sie ihre Jugend erlebt haben, was für einen Ärger sie hatten, was sie daraus gemacht haben und warum trotzdem das aus ihnen geworden ist, was sie heute darstellen. Unter anderem auch Thomas Klestil.

klestil_klThomas Klestil wurde am 4. November 1932 in Erdberg geboren. Nach dem Studium, das er 1957 mit dem Doktor der Handelswissenschaften abschloss, trat er in das Bundeskanzleramt ein. Er war unter anderem Botschafter in Washington. Seit 1992 war Klestil Bundespräsident, 1998 wurde er für weitere sechs Jahre gewählt. Am 6. August 2004 stirbt Thomas Klestil zwei Tage vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit.[weiter]

Thomas Klestil, Bundespräsident: “Sich nichts dreinreden lassen”
Als ich meinen 14. Geburtstag beging, 1946, war der 2. Weltkrieg nur etwas mehr als ein Jahr vorbei. Wien war von Bomben zerstört und viele meiner Klassenkameraden hatten entweder Hab und Gut oder Familienangehörige verloren. Oder beides …

images… Auch einer meiner Brüder ist im Krieg gefallen. Für die Mehrzahl von uns Kindern war es weniger die Zukunft, die uns interessierte, sondern die Frage, ob wir ausreichend Mehl bekommen würden, um Brot zu backen. Eine schlimme Armut hatte weite Teile der Menschen in den Städten erfaßt. Halt bot mir in dieser schweren Zeit ein “Jugendclub”, der von einem Salesianerpater, Friedrich De Bray, betrieben wurde, wo Kinder und Jugendliche auch Zusammengehörigkeitsgefühl und soziale Verantwortung lernen konnten.

kle2Da mein Vater schon 1942 verstorben war, mußte meine Mutter für uns Kinder alleine sorgen. Das hat mich – ich war der Jüngste – sehr beeindruckt und mir gezeigt, zu welchen Leistungen eine aufopfernde Liebe fähig ist. Ein anderes Erlebnis hat meinen Berufsweg wohl nachhaltig geprägt: Ich wurde unter großen Mühen meiner Mutter aufs Gymnasium in die Hagenmüllergasse geschickt. Und dort störte ich eines Tages den Unterricht – wie Kinder eben so sind. Da fragte mich der Professor, was mein Vater beruflich gewesen wäre. Ich antwortete: “Straßenbahner”. Darauf der Lehrer: “Dann wirst halt auch Straßenbahner, da hast du hier in der Schule nichts verloren.”

Vielleicht faßte ich damals den Entschluß, jenen Weg einzuschlagen, den ich gegangen bin. Für mich ist heute noch klar, daß man zwar nicht aus Trotz oder Wut einen bestimmten Beruf wählen soll, aber sich ganz bestimmt nicht dreinreden lassen muß, wenn man von einer Entscheidung für sein Leben überzeugt ist. Es kommt nie ausschließlich darauf an, was man macht, ganz wichtig ist, wie man handelt. Die Art, wie jemand seinen Lebensweg geht, ist entscheidend. Und vielleicht ist das für unser Zusammenleben so wichtige Fairplay ein Geheimrezept für ein zufriedenes Leben.

Wir leben nicht alleine, sondern immer im Verband mit anderen Menschen. Das bedeutet aber auch, daß nicht nur einer seinen Kopf durchsetzen kann, sondern alle gemeinsam sinnvolle Lösungen finden müssen. Ich hoffe und wünsche der heutigen Jugend, daß sie engagiert an einer offenen und solidarischen Gesellschaft arbeiten kann.

Film über Salesianerpater, Friedrich De Bray, unter anderem mit Thomas Klestil.

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