Wollt ihr wissen, warum in Erdberg Fische nach Lebkuchenherzen schnappten?

1941-00Unser ki3 Redakteur hat sich wieder einmal auf die Suche durch unendlichen Weiten des Internets und der Nationalbibliothek gemacht und fand im  „Das kleine Volksblatt“ einen Bericht aus Erdberg vom  15. Oktober 1941.

 

Briefumschlägestanzer Josef Sommer feiert sein 50jähriges Arbeitsjubiläum.

Unser Berichterstatter meldet Heute: „Fische schnappen nach Lebzeltherzen.“ oder „Fünfzig Jahre an der Stanzmaschine – Vater zweier Töchter in einem Betrieb.“

In einigen Tagen feiert der Briefumschlägestanzer Josef Sommer sein 50jähriges Arbeitsjubiläum bei der Firma F. C. Malek. Der Jubilar wird aus diesem Anlass im Mittelpunkt zahlreicher Ehrungen seitens seines Betriebsführers und seiner Arbeitskameraden sowie der Deutschen Arbeitsfront sein.

Briefumschlägestanzer Josef Sommer
Briefumschlägestanzer Josef Sommer

Maschinenlärm dröhnt uns beim Tor entgegen, als uns Betriebsführer Habler durch die großen Werkstätten geleitet. Transmissionsriemen klatschen auf den Wellen. summen und die sinnreichen Maschinen werfen aus ihren Eisenmündern ununterbrochen fertig geheftete Briefumschläge heraus. Mit hartem Ruck sausen schwere Messer in das Papier und schneiden oft Hunderte Papierbögen mit einem Schnitt durch. Kein Blick darf hier beiseite gehen, sonst ist die Josef Sommer Hand weg. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die hier in diesem Betrieb beschäftigt sind, stehen und sitzen schon jahrelang auf ihrem Arbeitsplatz. Jeder Handgriff ist eingeübt und die Finger bewegen sich genauso wie der Automatismus an der Maschine.

 „Drunt’ in Erdberg steht a Gasserl“

50 Jahre steht der 77jährige Josef Sommer schon bei der Stanzmaschine. Wenn man den immer lustigen Arbeiter ansteht, kommt es einem unglaublich vor, daß diese flinken Finger vor dem Messer schon einem 77jährigen an angehören. Vater Sommer ist trotz seiner Arbeit immer fideler Laune, das kann auch nicht anders sein, denn er ist in Erdberg in einem alten Haus, das in einem noch älteren Gasserl steht, geboren. Im selben Haus hat auch vor 54 Jahren die schöne Weißnäherin Mizzl gewohnt, und, weil sie dem Pepi so schön die Monogramme in die Sacktücher gestickt hat und auch ihre panierten Schnitzln am Erdberger Grund am besten schmeckten, darum hat sie der Sommer-Pepi auch geheiratet. Vor vier Jahren war die goldene Hochzeit und fünf Kinder hat Mutter Sommer ihrem Pepi geschenkt. Zwei sind gestorben, ein Sohn ist verheiratet, aber die beiden Töchter, die Aloisia und die Betty, arbeiten schon seit Jahren mit ihrem Vater im selben Betrieb.

Der Jubilar weiß manches Interessantes aus der alten Zeit zu erzählen. Als er noch Schuljunge war, gab es einmal ein gewaltiges Hagelwetter am Erdberger Kirtag und der Sturm warf die ganzen „Lebzeltenstandln“, die bei der Schlachthausgasse standen, in den Donaukanal.

Hunderte Lebzelterherzen und Lebzelterreiter sind im Kanal geschwommen und für die Fische war das damals ein Festfressen auf dem verhagelten Kirtag. Sommer weiß sich auch noch gut an die große Überschwemmung im Jahre 1876 zu erinnern.

Damals gab es einen großen Eisstoß, und, als Tauwetter eintrat, wurden die Eisschollen über das Ufer weit hinaus getrieben und das Wasser stieg in Erdberg bis über die Kellerfenster empor.

Lächelnd sagt er uns, daß ihm seine Arbeit noch heute gut gefalle. Sein einziger „Luxus“ ist, wenn er wo im Grünen bei einem Glaserl Wein sitzt. „Denn, was ein echter Erdberger ist, der hat einmal für einen guten Tropfen etwas übrig“, sagt er beim Abschied.

 Ein Artikel vom Autor F.X.D.

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